Geschichte des Stadtteils  
   
Der Stadtteil Haarbrücken liegt am Rand der großen Kreisstadt Neustadt bei Coburg. Neustadt ist mit knapp 17.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Coburg. Haarbrücken ist mit fast 1000 Bewohnern nach Wildenheid der zweitgrößte Stadtteil in Neustadt.
Der Bereich Haarbrücken verfügt über eine evangelische Kirche, einen Kindergarten, eine Grundschule und einen sehr erfolgreichen Fußballverein.
In Folge der Weltwirtschaftskrise gab es 1936 in Neustadt bei Coburg und Umgebung eine hohe Arbeitslosigkeit.

Daher war es ein großer Segen für die Region als die Siemens-Schuckert-Werke AG, Berlin, ein Tochterwerk in Neustadt errichtete. Das Werk wurde 1937 eröffnet. 1939 arbeiteten 1600 Arbeiter und Angestellt im neu entstandenen Siemenswerk.
Produziert wurden im Neustadter Werk Kabel und Leitungen aller Arten und Größen nach modernsten Fertigungsverfahren. So ist es nicht verwunderlich, dass das Werk über lange Zeit mit bis zu 2500 Mitarbeitern eines der größten Industrieunternehmen im Coburger Land war.

Die große Nachfrage nach den Produkten in der Zeit des Wiederaufbaus und der darauf folgenden Zeit der industriellen Hochkonjunktur erforderte auch das Anwerben von Arbeitskräften, die nicht aus der Region stammten.
Für diese Arbeitskräfte war günstiger Wohnraum, möglichst nahe am Arbeitsplatz äußerst wichtig. Damals ging man zu Fuß zur Arbeit, allenfalls wurde das Fahrrad benutzt. Ein Auto konnten sich nur die wenigsten leisten.
Für die große Anzahl von Mitarbeitern wurde bald neues Wohnraum benötigt und so gewährte die Direktion des Kabelwerkes der Gemeinnützigen Baugenossenschaft des Landkreises Coburg zinsgünstige Baudarlehen zur Errichtung von Wohnraum. Mit der Bewilligung des Baudarlehens erwarb Siemens die Belegungsrechte. Dies war äußerst wichtig, denn die Wohnungen lagen in enger räumlicher Beziehung zum damaligen Siemenswerk.
So hatten die Mitarbeiter die Möglichkeit zu Fuß oder mit dem Rad zu Arbeit zu gelangen. Etwa drei Viertel der Wohnhäuser im Siemensring wurden mit diesen Mitteln gebaut und boten und bieten Wohnraum für die Mitarbeiter der Kabelwerke.

Mit den ersten grundlegend modernisierten Häusern, mit der Einrichtung des Quartiersmanagements und der Neugestaltung des Spielplatzes unter tatkräftiger Mithilfe der Bewohner wird inzwischen auch für Außenstehende der begonnene Wandel im Siemensring deutlich sichtbar.

   
SOZIALE STADT – Was ist das?  
   
Das Bund-Länder-Förderprogramm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt" ist ein Teil deutscherStädtebauförderung. Der gegenwärtige gesellschaftliche und ökonomische Wandel verändert die sozialen und räumlichen Strukturen in den Städten. Dadurch wird auch die Stadtteilentwicklung vor neue Herausforderungen gestellt. Das Projekt ‚Soziale Stadt’ gilt darum Stadtteilen, die davon bedroht sind, ins soziale Abseits zu rutschen. Dabei handelt es sich vor allem  um Stadtgebiete, die bezüglich ihrer Sozialstruktur, der Ausstattung mit sozialer und stadtteilkultureller Infrastruktur, der Lebensmittelversorgung, der Wohnqualität und des Wohnumfeldes erhebliche Defizite aufweisen.
   
Zielsetzungen:

Ziele des Programms sind die physischen Wohn- und Lebensbedingungen sowie die wirtschaftliche Basis in den betroffenen Stadtvierteln zu stabilisieren und zu verbessern. Zudem sollen die Lebenschancen der Stadtteilbewohner durch Vermittlung von Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen erhöht werden. Darüber hinaus ist es wichtig, das Image durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit der Quartiere zu verbessern und zu stärken. Das Leben in den städtebaulich und sozial gefährdeten Gebieten, ein sozialer Verbund und die Motivation der Bewohner sollen wieder gefestigt werden

   
Maßnahmen:

Eine ganzheitliche, sich ständig anpassende städtebauliche und soziale Planung als integrierter Prozess aller Akteure ist eine wichtige Aufgabe des Projektes ‚Soziale Stadt’. Nicht nur bauliche Maßnahmen sondern umfassende soziale und kulturelle Aufwertungsstrategien sind erforderlich.

Kriterien für die Durchführung der städtebaulichen Gesamtmaßnahme sind die baulichen Missstände als Substanz- und Funktionsschwäche, die Durchführung der städtebaulichen Gesamtmaßnahme, und ein breites öffentliches Interesse.

Die betroffenen Bürger sollen intensiv in die Entwicklung das Projekt ‚Soziale Stadt’ einbezogen werden. Öffentlichkeitsarbeit, Stadtteil- oder Quartiersmanagement sowie die Koordination und Kooperation aller Beteiligten dienen dazu das gegenseitige Verständnis zu fördern, den Durchführungsprozess zu optimieren und finanziell zusätzliche Mittel zu aktivieren. Dabei spielt das integrierte Handlungskonzept, in welchem die Ziele und Maßnahmen, Projekte, und die Kostenplanung und -übersicht festgelegt sind, eine wesentliche Rolle. Um das Projekt erfolgreich durchführen zu können, ist eine enge Verzahnung unterschiedlicher Politik- und Handlungsfelder notwendig.
   

Quellen:

Gemeinnützige Baugenossenschaft des Landkreises Coburg: 1947 – 1997. Fünfzig Jahre sozialer Wohnungsbau

Landkreis Coburg (Hrsg.), Schneider, Walter (Text und Gestaltung): Das Coburger Land, 2. Auflage, Sonnefeld 1990

Planwerk, Gunter Schramm